Vintage Indusrtial Style- Loftiges Wohnen mit Design-Ikonen und Flohmarktfunden

Montag, 20. April 2015

Ich bin momentan in Buch- Rezension- Post- Laune und möchte heute einen weiteren Tipp an alle Menschen weitergeben, die sich für Inneneinrichtung interessieren:
Vintage Industrial Style von Misha de Potestad und Patrice Pascal ist ein eine Hommage an den momentan doch recht angesagten Industrial Look bei Minimalisten. Das Buch ist ein umfangreicher Style-Guide und dient genauso als Quelle der Inspiration.
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Das Buch ist in 5 Kapitel eingeteilt, die sich jeweils Stühlen, Tischen, der Aufbewahrung, Leuchten und Kuriositäten. Besonders der letzte Punkt hat meine meiste Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wobei ich zugeben muss, meine Erwartungen scheinbar etwas zu hoch geschraubt zu haben. Aber eins nach dem anderen. Wir fangen mit dem ersten Kapitel an. Den Stühlen.
"In den 1930er Jahren waren die Designer auf der Suche nach Verbesserungen im Bereich der Arbeitsplatzbestuhlung, um eine höhere Qualität und eine schnellere Produktion zu fördern."

Nach der Industrialisierung gehörten Stühle bald zur Grundausstattung von Arbeitsplätzen. Vor dem ausgehenden 19. Jahrhundert wurde Büroarbeit stehend vor einem Schreibpult ausgeübt. Die angestrebte Beschleunigung des Arbeitstempos, die Erhöhung des Arbeitsvolumens sowie Studien zur Körperhaltung und Ergonomie brachten die Schaffung neuer Sitzgelegenheiten mit sich.
Das erste Kapitel bietet eine kleine Übersicht über die vereinzelten Modelle bis in die 50er Jahre und schließt mit zwei Exemplaren des 111-Navy-Stuhls, der von Emeco in Zusammenarbeit mit Coca Cola hergestellt wurde. Er besteht aus 111 recycelten Plastikflaschen und hat exakt die gleichen Maße wie der 1944 entworfene originale Aluminium Stuhl 1006 Navy.

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Quelle
"Die Spezialisierung der Berufe und die erhöhte Produktionsgeschwindigkeit erforderten Veränderungen bei der Büro- und Fabrikausstattung." 

Auch Arbeitstische wurden auf die Ergonomie der Arbeiter besser abgestimmt um die Körperhaltung der Angestellten maßgerecht angefertigt. Tische aus Gusseisen oder dicken Stahlplatten wurden auf Rollen montiert oder mit Hilfe von Hebevorrichtungen erhöht, um die Kraftanstrengungen beim Heben oder Transportieren selbst schwerster Maschinen zu reduzieren. Nur ein gesunder Arbeiter konnte seine Arbeit auch lange verüben. 

Die Organisation der Arbeitsabläufe war ebenfalls ein wichtiges Thema. 
"Als die Arbeit und die Technologien starker systematisiert wurden, hatte dies eine beispiellose Menge an Dokumenten und Aufzeichnungen zur Folge."

Mit der Massenproduktion kam auch der Bedarf an Lagerung von Akten auf. Die einzelnen Arbeitsschritte mussten dokumentiert und archiviert werden. Ordner für Geschäftsprotokolle als auch Dokumente wie Briefe, Rechnungen, Auftragsformulare und Zeichnungen benötigten nun ihre eigenen Möbel. Diese Aktenschränke, die damals aus rein praktischen Gründen hergestellt wurden, sind heutzutage sehr beliebte, vorallem dekorative, Möbelstücke.

Fortschritt und Design

"Der Unternehmergeist der damaligen Ingenieure und Erfinder brachte bedeutende Fortschritte im Bereich der Beleuchtung."

1840 wurden auf der Place Vendome und in der Rue de la Paix das erste Mal Gaslampen aufgestellt
und tauchten Paris aus ihrer Dunkelheit auf. Bis zum Ende des Jahrhunderts erhellten Tausende dieser mit Gas betriebenen Lampen die Hauptstadt. Die Elektrizität löste alsbald das Gas als neue Energiequelle ab.
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Industrienostalgie 

"Der Übergang von der Handwerkskunst zur industriellen Produktion wurde vom Design zweckmäßiger Objekte begleitet, die heute als eigenständige Kunstgegenstände betrachtet werden können."
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Das letzte und interessanteste Kapitel trägt den Titel Kuriositäten und hört sich vielversprechend an. Doch kann man schnell enttäuscht werden, wenn man sich nun in der Fantasie die außergewöhnlichsten Dinge ausmalt. Gleich, ob als fester Bestandteil der Produktionskette oder einem genauer definierten Zweck vorbehalten, die Fabrikaustattung war vor allem praktisch und effizient. Das Kapitel zeigt uns dieWerbemittel, die den Reiz des damaligen Konsumenten des Einkaufens steigern sollten. Werbemittel entstanden und enthusiastische Werbemarken wurden propagiert. Die Werbegrafik erlebte ihre Blütezeit.
Für Sammler sind diese Objekte reizvolle Erinnerungsstücke. Oft haben sie ihre ursprüngliche Funktion verloren und erscheinen in ihrer Form für unsere Augen etwas seltsam und ungewöhnlich. Doch sind sie Zeugnisse für den Fortschritt im 20. Jahrhundert und deshalb umso gefragter.

Zeitmesser, also Uhren, übernahmen eine größere Rolle bei der Synchronisierung von Handel und Gesellschaft, als man begann Elektrizität zu benutzen.
Auf dem oberen Bild seht ihr Porzellanhände, die zur Herstellung von Gummihandschuhen des Porzellanherstellers Ets Coquet, dessen Angestellte Handschuhe mit rutschfester Oberflächenstruktur benötigten.

Fazit: Ein Interessanter Einblick in den Industriellen Einrichtungsstil Anfang des frühen 20. Jahrhundert, in dem Möbel und Leuchten designt wurden , die noch heute Architekten und Designer beeinflussen. In dieser Zeit entstanden neue Produktionsmethoden,  die eine Massenproduktion erlaubte. Dadurch entwickelte sich ein neues Design, dass heute noch gültig ist. Die Beispiele zeigen eindeutig, wie die Möbel von damals unsere heutigen Designer noch beeindrucken, in Form und Funktion. An den „alten“ Möbeln ist interessant, dass sie gradlinig von der Gestaltung sind, weil jedes Detail, jede Verbindung nachvollziehbar, erlebbar ist. Viele Formen von Möbeln und Leuchten finden wir ähnlich in aktuellen Kollektionen wieder.
Unglaublich ist, wie der Autor diese Vielfalt an Möbeln zusammengetragen hat. Die Fotos wurden nicht geschönt, sie zeigen Patina und Geschichte der Objekte. Die Detailaufnahmen lassen die Produktionsmethoden erkennen. Das macht die Möbel so einzigartig, auch deshalb, weil man jedes Teil auseinander schrauben und erneuern kann. Und das beste ist, dass man diese Möbel mit jedem Einrichtungsstil kombinieren kann, da sie zeitlos sind.
Die große Vielfalt und der Einfallreichtum stellen eine ergiebige Inspirationquelle für Designer von heute dar.
 



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© Fräulein Medea Maira Gall.