Vom Wein, Muskelkater und einem erlebnisreichen Wochenende

Dienstag, 27. Mai 2014

Nun folgt endlich mein kleiner Reisebericht über mein Wochenende in Heilbronn und seiner Umgebung. Bei so vielen Eindrücken und Erlebnissen, weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll. Ich denke, das Sinnvollste wäre am Anfang zu beginnen, ehe ich noch etwas vergesse?!
Ich kam gegen 19 Uhr, mit leichter Bahnverspätung, in Heilbronn an und wurde von der überaus reizenden Touristikführerin vom HeilbronnerLand Imke Senst abgeholt. Unter Radsüden.de könnt ihr euch außerdem ein noch ausführlicheres Bild von den ganzen Radtouren machen.
Nach einer kleinen Autofahrt kam ich- im Westen vom Landkreis Heilbronn- in dem kleinen Ort Schwaigern an, wo sich das Hotel  Zum Alten Rentamt befindet, in dem ich die Nacht verbringen durfte.
Das Hotel mitsamt Restaurant im Innern des Hauses, steht wohl am schönsten Platz der Gemeinde im Leintal zwischen der historischen Stadtkirche und dem Rathaus. Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus sprüht seinen ganz eigenen urigen Charme aus. Man merkt in jedem Fall, dass man sich in einem Haus mit Geschichte und Tradition befindet, noch bevor man es betritt. Auch heute noch befindet sich das Häuschen im Besitz der Grafen zu Neipperg: Der Name Rentamt stammt aus dem späten Mittelalter und steht für eine Behörde oder eine Verwaltung. Es war damals der Verwaltungssitz der reichsunmittelbaren Herrschaft Neipperg. Von hier aus wurden nach 1806 die Ländereien sowie die Einnahmen des herrschaftlichen Gutes verwaltet. 1949 wurde das Rentamt zu einem Gutsausschank mit Gästezimmern umgebaut. In Verbindung mit der ehemaligen Forstverwaltung wurde 1990 der letzte große Bauabschnitt durchgeführt. Dabei wurden auch die Gästezimmer erweitert.
Zu den Besitzungen der Grafen Neipperg gehört u.a. auch ein VDP Weingut, das mit zu den besten Weingütern in Württemberg gehört.

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Ich durfte in einem von insgesamt 12 Gästezimmern meine Sachen ablegen und staunte nicht schlecht, als ich das gemütlich eingerichtete Zimmer mit Antiquitäten und parkett im Fischgrätmuster betrat.
Am Abend hatte ich im Restaurant noch ein wirklich ausgesprochen hochwertiges Menü mit erstklassigen süddeutschen Spezialitäten und zu jedem Gang gab es einen dazu abgestimmten Nobelwein, unter anderem natürlich auch Weine des Grafen Neipperg, die ausgesprochen gut geschmeckt haben. Und das sage ich wirklich nicht, weil es zum guten Ton gehört! Die Weine des Grafen gehören aber auch zu der Oberliga und tummeln sich dementsprechend auch im höheren Preissegment. Zwischen Holztäfelung, Intarsientischen und Kachelofen kann man es sich dort wirklich gut gehen lassen. Und zum Glück ist der Weg zum Hotelzimmer nicht allzu weit, wenn man mal ein Gläschen zu viel zu sich genommen hat.

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Dies waren ein paar kleine Eindrücke vom Hotel Zum Alten Rentamt. Wenn ihr mal in der Gegend seid, kann ich das Hotel mitsamt Weinstube als Übernachtungsmöglichkeit nur wärmstens empfehlen.
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Rathaus Schweigern Via
Und am nächsten Morgen begann dann um 9 Uhr meine erste Radtour, mit dem Titel  "Mit dem Fahrrad auf, über und um den Weinberg", genauer gesagt um den Heuchelberg mit Weinerlebnisführerin Heidrun Schmalzhaf. Meine erste von insgesamt zwei Touren..
Der Heuchelberg erstreckt sich im Westen des Landkreises Heilbronn zwischen Leingarten im Nordosten und Zaberfeld im Südwesten. Wir fuhren ca. 10 km mit insgesamt 150 Höhenmetern und die Fahrt hat etwa 3 Stunden gedauert.
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Zwischendurch gab es einen Weinkuchen mit insgesamt zwei Weinproben.
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Anschließend gab es an der Heuchelberger Warte eine Kleinigkeit zur Stärkung. Auf Facebook hatte ich schon ein paar Eindrücke hochgeladen, unter anderem auch ein Bild von dem wirklich tollen Ambiente dort.
Die Heuchelberger Warte ist außerdem ein ehemaliger Wachturm, der heute als Aussichtsturm dient.

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Nach der Stärkung, durfte ich mit dem Fahrrad und einem GPS-Gerät vom Heuchelberg über Heilbronn nach Lauffen am Neckar fahren. Auf dieser Fahrt konnte ich die meisten Eindrücke von der wunderschönen Natur und Landschaft erfahren.
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Weinfelder wohin man auch blickt.
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In Heilbronn angekommen, habe ich noch einen kurzen Trip durch die Innenstadt gemacht. Sie wurde beim Luftangriff vom 4. Dezember 1944 vollständig zerstört, so dass die Heilbronner Stadtmitte heute im Wesentlichen von modernen Bauwerken geprägt ist. Lediglich das Rathaus mitsamt Marktplatz und Käthchenahus sind uns erhalten geblieben und bilden den Mittelpunkt der Stadt.

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Rathaus Lauffen 2010
Die Ratshausinsel von Lauffen am Neckar Via
 In Lauffen am Neckar angekommen erwartete mich im völligen Kontrast zu Heilbronn eine völlig mittelalterlich erhaltenen Stadt, mit Kopfsteinpflastern und kleinen gemütlichen Seitengassen.
 Der in nördliche Richtung fließende Neckar wurde hier einst durch einen Felsrücken gezwungen eine große, beinahe ringförmige Schleife in Richtung Westen zu bilden. Durch die Erosionskräfte des Wassers wurde der Felsen im Zeitraum 400 bis 100 v. Chr. durchbrochen. Der Neckar floss über viele Stromschnellen und Strudel mit hoher Geschwindigkeit durch die geschaffene Lücke. Auf dieses Laufen des Flusses (im 20. Jahrhundert durch Kanalisierung eingedämmt) geht der Stadtname zurück. Das ehemalige Flussbett in der Westschleife liegt nun trocken, im nördlichen Teil fließt die Zaber bis zu ihrer Mündung in den Neckar auf wenigen Kilometern in der ehemaligen Neckarschlinge. Das alte Flussbett wird von einem ringförmigen Hügel begrenzt, dessen Hang teils vom Kaywald bedeckt ist, teils für den Weinbau genutzt wird.
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Das Kriegerdenkmal
Noch gar nicht in meinem Hotel angekommen, fuhr ich durch die schöne Innenstadt und entdeckte noch einen sehr süßen kleinen "Trödel" Laden namens la bagatelle, der leider aber schon geschlossen war, als ich dort ankam.
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Das Hölderlin Museum. Wer es noch nicht wusste: Lauffen am Neckar war die Geburtstadt des berühmten deutschen Dichters.
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Ich kann euch sagen, die Tour hatte es in sich, besonders für jemanden der nicht ganz so oft aufs Fahrrad steigt. Ich bin, nachdem ich noch in der Weinstube Zur Sonne ein leckeres Abendessen, mit Wein versteht sich, zu mir genommen habe, dann schnell Richtung Hotelzimmer im Gästehaus Kraft geeilt, denn am morgigen Tag erwartete mich bereits die nächste Radtour "Römer an Neckar und Zaber". Geführt wurde die Radtour von Bike Guide Wolfgang Keimp, der mir allerlei Interessantes zur Geschichte Lauffens erzählte. 
Was ihr hier unten seht, sind die Überreste eines römischen Gutshofes, der villa rustica.
Um 85 n. Chr. kam das Gebiet um Lauffen in den römischen Einflussbereich, nachdem es zuvor von Kelten besiedelt war. Wahrscheinlich verlief die Grenzstraße des Neckar-Odenwald-Limes zwischen den Kastellen Walheim und Heilbronn-Böckingen über Lauffener Gebiet, ihre Lage ist jedoch nicht geklärt. Spätestens mit der Erweiterung des römischen Machtbereichs durch den Obergermanisch-Raetischen Limes in der Mitte des 2. Jahrhunderts setzte um Lauffen, wie im gesamten mittleren Neckarraum, eine dichte römische Besiedlung ein. Aus dieser Zeit datiert ein römischer Gutshof im Gewann Brunnenäcker, der 1978 bei einer Flurbereinigung entdeckt, vollständig erforscht und konserviert wurde. Insgesamt lassen Funde auf mindestens zwölf villae rusticae auf Lauffener Gemarkung schließen. Spätestens mit der Aufgabe des Obergermanisch-Raetischen Limes um 259/260 verließen die Römer ihre Siedlungen um Lauffen.

 Der Gutshof wurde 1978 bei Arbeiten zur Flurbereinigung in den Weinbergen entdeckt. Idyllisch über dem Neckarufer erbaut, ist die heute von Weinbergen und Obstanlagen umgebene villa rustica als Freilichtmuseum zu besichtigen.
Der einen Hektar große Römische Gutshof bestand in seiner letzten Ausbauphase aus vier Gebäuden. Das Wohngebäude, ein größerer Wirtschaftsbau und ein einfaches Holzhaus standen bereits, bevor im späten 2. Jahrhundert die Nutzungsansprüche der Bewohner stiegen und ein etwa doppelt so großes und repräsentativ ausgestaltetes Wohngebäude errichtet wurde. Umkleideräume sowie ein Warm- und Kaltbad im Gebäude dokumentieren den römischen Badeablauf.
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villa rustica
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Nach einem leckeren Mittagessen und anschließendem Kaffee und Kuchen in Nordheim sind wir anschließend zur Jupiter-Gigantensäule gefahren. Solch eine Säule ist ein bestimmter Typ archäologischer Denkmale aus der Zeit des Römischen Reiches, Zeugnisse des damals verbreiteten synkretistischen römisch-germanischen Götterkults. Die meisten Jupiter- Gigantensäulen wurden im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. bei römischen Siedlungen oder Gutshöfen in der Provinz Obergermanien aufgestellt. Diese hier ist ein Abguss davon und steht in Brackenheim-Hausen. Das Original wurde nicht weit von dem Aufstellplatz entfernt im Jahre 1964 ausgegraben, als Bauarbeiter darauf stießen und befindet sich nun in der Antikenabteilung des Württembergischen Landesmuseums in Stuttgart.
Die römische Kultsäule stammt aus dem 2./3. Jahrhundert, wo sie auf dem Areal eines römischen Gutshofes zur Erfüllung eines Gelübdes erstellt wurde: „Wenn Du Jupiter mich in diesem Jahr davor bewahrst, dass Gewitter meine Ernte zerstören, errichte ich Dir eine Säule."
Die ungewöhnliche Größe und aufwendige Verzierung der Säule lassen auf den Reichtum des Hofguts schließen. Ein quaderförmiger Sockel mit Götterbildern, darüber ein Zwischensockel mit der Darstellung der Wochengötter tragen die mächtige Säule, deren Jahreszeitenkapitell vom Gigantenreiter Jupiter bekrönt wird.

Falls sich Jemand dafür näher interessiert, gibt es, auch gerade für den Süddeutschen Raum, weiterführende Literatur, wie beispielsweise die Abhandlung von Gerhard Bauchhenß: Jupitergigantensäulen. Aalen 1976

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Mein Fazit des Wochenendes: Ich habe soviel erlebt, aber nur einen Bruchteil dessen, was möglich gewesen wäre, hätte der Tag mehr als 24 Stunden. Beispielsweise ein Besuch im Auto und Technik Museum in Sinsheim oder auch das Hölderlin Museum in Lauffen.
Im Nachhinein betrachtet ist die Zeit viel zu schnell verflogen und ich bin immer noch froh, den Ausflug gemacht zu haben und auch diesen südlichen Teil Deutschlands einmal näher kennen zu lernen. Und ich war ganz traurig, am Abend schon meine Rückreise anzutreten.
Und falls ihr nun auch die Lust verspürt, solch eine Radtour in Angriff zu nehmen, empfehle ich gerade jetzt im Sommer, die Sonnencreme nicht zu vergessen!
Wer so unsportlich wie ich ist, der kann sich anstatt eines gängigen Fahrrads auch ein E-Bike ausleihen und die schöne Landschaft umso mehr genießen, ohne dabei direkt aus der Puste zu kommen.

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Kommentare:

  1. wahnsinns bilderflut!!! richtig, richtig tolle bilder :)
    und wie die katze auf dem fensterbrett chillt, woaaah...ich hätte da ja schiss!!! ;D aber tolles bild!!!
    heilbronn ist ja richtig schön!! hätt ich nicht gedacht :D da hast du ja ne menge erlebt in so kurzer zeit!!! :)
    liebste grüße,
    maze

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    1. Hehe, Danke!!
      Ja die Katze fand ich auch so lustig, die hat da glaube ich kein Problem auf dem Festerbrett zu liegen :D
      Liebste Grüße,
      Andrea

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